Land des Monats Januar: Frankreich

Frankreich ist und bleibt der größte Handelpartner Deutschlands. Die Weltwirtschaftskrise hat die Handelsbeziehung zwischen den beiden Ländern kaum getrübt und die Ex- und Import ziehen wieder deutlich an. Deutsche Unternehmen wissen die hohe Arbeitsproduktivität und die gute Infrastruktur des Nachbarn zu schätzen. Trotz der günstigen Geschäftsmöglichkeiten in Osteuropa investieren sie weiterhin in Frankreich, den zweitgrößten Markt der Europäischen Gemeinschaft.
Wichtig für deutsche Unternehmen: Beachten Sie die kulturellen Eigenheiten und rechtlichen Besonderheiten Frankreichs bei ihren Geschäftsbeziehungen.
Der Einfluss des Staates
In vielen Wirtschaftsbereichen greift die französische Regierung hilfreich unter die Arme, manche steuert sie sogar selbst wie etwa den Eisenbahnsektor oder Bereiche des Energiemarktes. Seit Jahren fördert sie die Wirtschaft vor allem dadurch, dass sie mehr als andere Staaten Forschung und Entwicklungsvorhaben finanziert.
Eine positive Folge der schon traditionellen Einmischung des Staates in Wirtschaftsbelange ist, dass Frankreich mehr und mehr von Energieimporten unabhängig wird. Der Anteil der Kernenergie am Primärenergieverbrauch lag in den vergangenen Jahren bei 30, bei der Elektrizitätsgewinnung bei fast 80 %. Weitere Kernkraftwerke sind geplant. Der hohe Ölpreis belastet deshalb die französische Wirtschaft nicht so massiv wie die anderer EU-Länder. Von den EU-Vorgaben zur alternativen Energiegewinnung könnte das Land ebenfalls profitieren. Bis 2020 will Frankreich den Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch jedenfalls auf mehr als 20 % steigern.
Einen weiteren Pluspunkt erzielt Frankreich bei der Infrastruktur. Die Verkehrsanbindungen von Deutschland aus sind einfach und schnell – für Warenlieferungsgeschäfte ein oft entscheidender Faktor. Nach Energie investieren die Franzosen am meisten in den Transport- und Logistikbereich. Das gilt für die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCF, die mit dem TGV (Train à Grande Vitesse) den schnellsten europäischen Zug entwickelt hat, ebenso wie für Flug- und Meereshäfen.
Auch wenn der Staat vor allem an starke Gewinne machenden Großunternehmen interessiert ist, werden kleine und mittelständische Unternehmen seit einiger Zeit stärker unterstützt.
Stabile Wirtschaftslage
Für Investoren entscheidend ist u. a. der Faktor Arbeit, für den nicht die Höhe der zu zahlenden Löhne vor Ort ausschlaggebend ist. Bei der Arbeitsproduktivität schneiden die Franzosen besser ab als von vielen erwartet. Nach Angaben der EU-Kommission (Eurostat) lag Frankreich 2009 wie meist auch in den Jahren zuvor bei der Arbeitsproduktivität gemessen am BIP je Erwerbstätigen in der EU nach Luxemburg, Irland und Belgien an vierter Stelle – und damit weit über dem EU-Durchschnitt. Auch bei den Arbeitskosten je geleisteter Arbeitsstunde rangierte das Nachbarland vor Deutschland meist an vierter oder fünfter Position. Nur bei den Lohnnebenkosten schlug der dort immer noch vorhandene zentrale Staatsdirigismus durch. Diese sind mit etwa 50 % ähnlich hoch wie in Schweden und markieren damit innerhalb der EU eine Spitzenposition.
Tipp
Weitere Informationen zu Marktindikatoren, u. a. zu Branchenkennziffern, Arbeitszeiten, Produktpreisen und Entwicklung der Arbeitslosenzahlen – auch für einzelne Regionen –, sind im Internetportal des nationalen Statistikinstituts INSEE (Institut National de la Statistique et des études économiques) – vergleichbar dem deutschen Statistischen Bundesamt – unter www.insee.fr (teilweise auch in englischer Sprache) zu finden.
Rankinglisten
In den für die Gesamteinschätzung nationaler Wirtschaften bewährten Rankinglisten belegt Frankreich im internationalen Vergleich wie auch andere führende europäische Industrienationen vordere Positionen. Im Coface-Länderrisikorating ist Frankreich allerdings von der besten Bewertung A1 auf A2 abgerutscht. Bei der Länderklassifizierung für Exportkreditgarantien kommt Frankreich Mitte 2011 wie die meisten europäischen Industriestaaten in die beste Kategorie 0.
Beim Transparency Internationals Corruption Perceptions Index 2010, der 178 Staaten umfasst, steht Frankreich an der 25. Stelle und damit deutlich hinter Deutschland. Korruption kann also bei französischen Firmen durchaus ein Thema sein. Deutsche Firmen sollten deshalb damit rechnen, dass auch einmal versucht wird, den Wettbewerb zu verzerren.
Geschäftsaufbau – erste Informationsquellen
Wer in fremden Märkten agieren will, sollte diese kennen. Dies bedeutet vor allem, Informationen sammeln, sichten und für das eigene Vorhaben auswerten. Einen ersten Überblick bieten im Internet die Informationen der Germany Trade and Invest (www.gtai.de) und des Außenwirtschaftsportals ixpos (www.ixpos.de).
Weitere Informations-Links siehe in www.export-plus „Die besten Exportlinks“ (B V 1.3).
Mit Fragen können sie sich auch an die internationalen Abteilungen der Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern wenden. Unter diesen sind insbesondere die IHK Trier und IHK Saarland auf das Thema Frankreich fokussiert.
Spezielle Auskünfte erhalten sie vor allem bei der Französischen Industrie- und Handelskammer in Deutschland (CCCFA) in Frankfurt/Main und Saarbrücken, den französischen Generalkonsulaten in Deutschland sowie der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer (Chambre Franco-Allemande de Commerce et d‘Industrie) in Paris. Investoren wird besonders von der Invest in France Agency (IFA) Deutschland in Frankfurt/Main und den regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften sowie Fachministerien geholfen (siehe entsprechende Webadressen in Kapitel 7). Aber auch private Beratungsunternehmen können nicht nur erste Tipps geben, sondern mit fundiertem Wissen Fragen beantworten.
Informations- oder Sprechtage bzw. Kooperationsbörsen und Unternehmerdelegationsreisen einzelner deutscher Kammern und Wirtschaftsministerien der Bundesländer ermöglichen es, bei Länderexperten näher nachzufragen oder erste Geschäftskontakte zu knüpfen. Da Wirtschaftsdelegationsreisen bis zu 50 % bezuschusst werden, können ohne großen Kostenaufwand vor Ort schnell Kontakte geknüpft und erste Vereinbarungen getroffen werden. Dies gilt vor allem für branchenbezogene Delegationsreisen.
Beispiel Delegationsreise
Vom 17. bis 26. Juni 2011 entsandte das Wirtschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen eine Delegation in die französische Region Île-de-France Das Fazit des beteiligten Clusters MEDIEN.NRW: „Neben aktivem Standortmarketing für das Medien- und IKT-Land NRW konnten auch die wirtschaftlichen Beziehungen zur Île-de-France weiter gestärkt werden.“
Auf der Suche nach Geschäftskontakten können aber auch Datenbanken im Internet nützlich sein, etwa das e-trade-center der deutschen Auslandshandelskammern (www.e-trade-center.com). Wer sich in die Datenbank „Geschäftswünsche“ der gtai einträgt, kann ebenfalls schnell Adressen von in Frage kommenden Geschäftspartnern finden. Firmenkontaktdaten stehen im Internet, aber auch in den pages jaunes, den französischen gelben Seiten (www.pagesjaunes.fr). Seit 2007 betreiben die IHK Saarland und die benachbarten Regionen in Frankreich und Luxemburg das Internetportal www.saarlorlux.biz, das neben einer eigenen Geschäftspartnersuche auch noch Hinweise auf weitere Handels- und Unternehmensdatenbanken enthält.
Tipp
Für kleine und mittelständische Unternehmen aus den neuen Bundesländern gibt es ein Vermarktungshilfeprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft. Im Jahr 2010 wurden z. B. Firmen aus dem Bereich der Prozess- und Automatisierungstechnik und deren Anwenderindustrien unterstützt, die Aufträge in einer Zukunftsbranche auch in Frankreich gewinnen wollten. In einem pauschalen Eigenbeitrag von 750 Euro zuzüglich Reise- und Aufenthaltskosten in Frankreich sind u. a. eine Vertriebsveranstaltung im Zielland, bei der auch Dolmetscher zur Verfügung stehen, sowie eine gemeinsame Ausarbeitung einer Vertriebsstrategie eingeschlossen. Projektträger ist die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer in Paris.
Direktinvestitionen
Die deutschen Großunternehmen sind fast alle in Frankreich vertreten. Seit einigen Jahren zeichnet sich jedoch der Trend ab, dass der deutsche Mittelstand immer aktiver wird. Zu den mittelständischen Investoren zählten 2010 u. a. Alfasolar GmbH aus Hannover, Hersteller und Händler für Solarmodule und -systeme sowie die PlanET Biogastechnik GmbH, Vreden, die beide in Frankreich Niederlassungen unterhalten.
Auffallend auch, dass seit einigen Jahren ein großer Teil der ausländischen Neuinvestitionen auf den Dienstleistungsbereich, etwa Logistik- und Servicezentren sowie Einrichtungen zur Forschung und Entwicklung, entfällt. Laut Invest in France kamen 2010 rund 35 % der neuen deutschen Projekte aus der Industrie und 26 % aus dem Bereich Dienstleistungen an Unternehmen. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass es bei den Investitionen in Frankreich weniger um günstige Produktionsarbeitsplätze geht wie in osteuropäischen Ländern. Die Crossgate AG, Starnberg (Bayern) z. B., ein Spezialist für B2B-Integration und Cross Automation, hat 2007 eine französische Tochtergesellschaft gegründet. Grund dafür sei nach Firmenangaben u. a. die hohe Innovationskraft in verschiedenen Industriesektoren Frankreichs gewesen.
Geeignete Gesellschaftsformen
Wer im französischen Markt erste Verkaufserfolge erzielt hat, sollte überlegen, ob er nicht mehr investieren und eine eigene Gesellschaft gründen will. Eine Zweigniederlassung kann zwar mit wenig Kosten errichtet werden, ist jedoch kein eigenständiges Unternehmen und wirkt deshalb zumindest unter dem Marketing-Blickwinkel wenig attraktiv.
Grundsätzlich gilt, dass in der EU ausländische und inländische Unternehmen gleichgestellt sind. Nur für einige wenige Branchen, etwa aus dem Militärbereich, gibt es auch in Frankreich gesonderte Bestimmungen.
Die meisten Investitionsformen müssen sie – egal ob Unternehmensbeteiligung, Errichtung einer Zweigniederlassung oder Gründung einer Gesellschaft - nicht einmal anmelden, wenn deren Kapital bzw. Wert nicht über 1,5 Mio. Euro geht.
Im Gegensatz zu einem einfachen Verbindungsbüro ( bureau de liaison) müssen sie aber eine Zweigniederlassung ebenso wie eine Gesellschaft im amtlichen Handelsregister ( Registre du Commerce et des Société)beim örtlich zuständigen Handelsgericht ( Greffe du Tribunal de Commerce) registrieren lassen. Allgemein informieren – auch über Konkurrenten – kann man sich im Internetportal des französischen Handelsregisters unter www.infogreffe.fr.
Doch welche Rechtsform für ein selbständiges Tochterunternehmen, das auch für Verträge mit Angestellten und Kunden verantwortlich istwählt man am besten? Auch in Frankreich wird wie in Deutschland zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften unterschieden. Personengesellschaften sind in Frankreich jedoch relativ selten, vor allem wegen der damit verbundenen Haftung für Schulden und Verpflichtungen. Ausländische Investoren entscheiden sich deshalb fast nur für Kapitalgesellschaften.
Da gibt es zum einen die Gesellschaft mit beschränkter Haftung SARL – Société à Responsabilité Llimitée. Diese ist mit der deutschen GmbH vergleichbar. Ein Mindestkapital ist nicht vorgeschrieben. 20 % des frei bestimmten Kapitals müssen bei Gründung einbezahlt werden. Es kann aus Geld- oder Sacheinlagen bestehen. Experten raten dennoch, diese nicht zu gering anzusetzen, da die Kapitalausstattung auf den Geschäftspapieren publiziert werden muss.
In Frankreich häufig genutzt wird die Aktiengesellschaft SA – Société Anonyme –, bei der ein Mindestkapital von 37.000 Euro verlangt wird, wobei bei Firmengründung nur die Hälfte eingezahlt werden muss. Allerdings ist bei der SA eine Mindestanzahl von sieben Gesellschaftern (mindestens eine natürliche Person) vorgeschrieben. Daneben gibt es die vereinfachte Aktiengesellschaft SAS – Société par actions Simplifiée. Bei gleicher Kapitalausstattung ist diese ursprünglich für Kooperationen von zwei oder mehr Unternehmen gedacht gewesen, doch ist inzwischen eine Mindestanzahl von Gesellschaftern nicht mehr vorgeschrieben – also auch eine Ein-Mann-AG möglich. Da sie mehr Gestaltungsspielraum bietet, hat die SAS gewisse Vorteile.
Im Übrigen sollten sie, auch wenn es nicht vorgeschrieben ist, in allen Fällen einer Gründung einen erfahrenen Rechtsanwalt möglichst vor Ort einschalten.
Weitere HIinweise zum Geschäftsaufbau, Handel und Einkauf, Direktinvestitionen, Business und Marketing erhalten Sie in dem Beitrag: "Frankreich – der große Nachbar" von Stephan Mühlbauer, auf der CD-ROM Export Plus, Praxisinformationen für Export- und Zollverantwortliche der Bundesanzeiger Verlagsges. mbH, Köln.
Quelle: Export Plus – CD-ROM, Bundesanzeiger Verlagsges. mbH, Köln



