Land des Monats Dezember: Finnland

Die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/09 traf Finnland als Handelsnation hart, besonders seinen Export von Elektronik. Dennoch stieg das finnische BIP 2010 um 3,1 %. Für 2011 und 2012 werden ebenfalls hohe Wachstumsraten von 3 bzw. 2,5 % erwartet. Der IT-Sektor spielt eine bedeutende Rolle in Finnland. Inzwischen ist die Produktpalette im IT-Bereich sehr umfangreich: Finnland produziert Endgeräte, Netzdienstleistungen, Software bzw. Produkte drahtloser Kommunikation. Außerdem ist das Land führend in der Kryptografie und Bekämpfung elektronischer Viren. Insgesamt hat sich der IT-Sektor zu einem Wirtschaftszweig entwickelt, der im Export genauso bedeutend geworden ist wie einst die traditionelle Forst- und Metallindustrie.

Folglich ist der wichtigste Wirtschaftssektor der Dienstleistungsbereich (68 % des BIP), gefolgt vom Industrie- und Baugewerbe (29 % des BIP) und der Land- und Forstwirtschaft (3 % des BIP). Neben erfolgreichen IT-Unternehmen gehören auch der Maschinen- und Metallbau sowie finnische Holz- und Papierunternehmen zu den größten der Welt. Finnland hat netto keine Auslandsschulden und bekräftigt dies mit positiven Handelsbilanzüberschüssen.

Verkauf und Absatz

Markteinstieg
Die Vertriebskanäle in Finnland unterscheiden sich nicht besonders von denen in Deutschland. Produkte können entweder durch Vertreter, Lieferanten, Großhändler oder durch direkten Verkauf an den Einzelhandel vertrieben werden. Als erste Anlaufstelle für branchenspezifische Fragen bieten sich die finnischen Fachverbände an. Die größeren Importeure, Großhändler und Handelshäuser sind im Finnischen Handelsverband (www.kauppa.fi) zentral organisiert. Dieser Handelsverband (fin. kaupan keskusliitto, kurz KKL) umfasst insbesondere die Bereiche Elektronik und Elektrokomponenten, pharmazeutische und medizinische Produkte sowie Maschinen, Rohstoffe und Chemikalien ab. Handelsvertreter sind im Bund der Finnischen Handelsvertreter (www.agenttiliitto.fi) organisiert, der sich aus knapp 80 Verbänden für verschiedene Produkte – insbesondere Textilien und Bekleidung, Rohstoffe sowie Einrichtungsgegenstände – zusammensetzt.

Auf Messen können interessierte ausländische Besucher durch persönliche Gespräche Absatzmarktforschung betreiben und Geschäftskontakte knüpfen. Die Finnische Messegesellschaft (Suomen Messut Osuuskunta – The Finnish Fair Foundation, www.finnexpo.fi) in Helsinki ist der größte Messeveranstalter in Finnland. Weitere Messen finden sich in Jyväskylä (www.jklfairs.fi), Tampere (www.tampereenmessut.fi) und Turku (www.turunmessukeskus.fi). Informationen in deutscher Sprache sind auf der Internetpräsenz des Ausstellungs- und Messeausschusses der Deutschen Wirtschaft abrufbar (www.auma.de).

Nationale Vorschriften

Auf Grund national geltender Normen und Standards sind für bestimmte Produkte Abnahmeprüfungen notwendig. In Finnland gelten die EU-Standards. Der Großteil der Qualitätsprüfung und -sicherung, wie elektrische Überprüfungen, wird durch die unabhängige staatliche Gesellschaft Inspecta Oy durchgeführt. Das Technische Forschungszentrum von Finnland (VTT) vergibt technische und medizinische Zertifizierungen.

Inspecta Oy
Porkkalankatu 13 G
FI – 00180 Helsinki
Tel.: 0 03 58-(0)10 52 16 00
Fax: 0 03 58-(0)1 05 21 62 11
E-Mail:
www.inspecta.fi

VTT
Vuorimiehentie 5
FI – 02044 Espoo
Tel.: 0 03 58-(0)20 72 11
Fax: 0 03 58-(0)2 07 22 70 01
E-Mail:
www.vtt.fi

Einkauf und Produktion

Der finnische Außenhandel ist seit mehreren Jahren durch einen überaus hohen Exportüberschuss gekennzeichnet, der sich im Jahr 2010 auf 3,2 Mrd. Euro belief. Die finnischen Ausfuhren stiegen nach der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um 18 % auf 52,6 Mrd. Euro. Die Einfuhren erhöhten sich um 20 % auf 49,4 Mrd. Euro.

Deutschland ist seit Jahren der wichtigste Handelspartner Finnlands vor Russland und Schweden. Im Jahr 2009 gingen 10,3 % der finnischen Ausfuhr nach Deutschland, während 15,8 % der finnischen Einfuhr aus Deutschland stammten. Die deutschen Exporte nach Finnland beliefen sich im Jahr 2010 auf 7,8 Mrd. Euro, was 10,2 % mehr waren als im Jahr zuvor. Die deutschen Einfuhren aus Finnland erhöhten sich im Jahr 2010 um 14 % auf 6,0 Mrd. Euro.

Die Struktur der deutschen Ausfuhren nach Finnland entspricht im Wesentlichen der deutschen Exportstruktur insgesamt, d. h., die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Elektrotechnik und die chemische Industrie sind für rund drei Viertel der deutschen Lieferungen nach Finnland verantwortlich. Aus Finnland bezieht Deutschland im Wesentlichen Papier, Zellstoff, Schnitt- und Sperrholz sowie Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und andere Hightech-Produkte. Nahrungs- und Genussmittel spielen dagegen in beiden Richtungen nur eine untergeordnete Rolle.

Sektoren mit positiver Entwicklung

Finnland baut seinen fünften Atomreaktor in Olkiluoto. Dieser soll mit 1.600 Megawatt der weltgrößte und Zentrum der europäischen Nuklearindustrie ab 2013 sein. Die bisherigen Kosten übertreffen mit rund 50 % die geplanten Kosten, die sich auf insgesamt 3 Mrd. Euro beliefen. Das finnische Parlament hat 2010 den Bau von zwei weiteren Reaktoren genehmigt, so dass diese Branche in den nächsten Jahren weiter wachsen wird. Andere Großprojekte betreffen das weitläufige finnische Straßennetz, welches jährlich mit rund 1 Mrd. Euro modernisiert wird.

Finnland ist besonders wettbewerbsfähig in der Produktion. Die Holz- und Metallverarbeitung, der Maschinenbau, die Telekommunikation und elektronische Artikel sind speziell nachgefragt. Des Weiteren stieg der Tourismus 2010 um 9 % im Vergleich zum Vorjahr, als auch der durchschnittliche Konsum pro Besucher. Der Export ist relativ stark von Mobiltelefonen gekennzeichnet. Nokia ist der wichtigste Akteur auf dem finnischen Markt. Die Wirtschaft entwickelte sich nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/09 zurück zur Ursprungsgröße, auch da Lohnzurückhaltungen die Wettbewerbsfähigkeit Finnlands stärkten.

Geld und Finanzmarkt

Geschäftsbanken:

Nordea Oyj
Aleksanterinkatu 38B
FIN – 00020 Helsinki
Tel.: 0 03 58-9 16 51
Fax: 0 03 58-9 16 55 45 00
www.nordea.com

Okopankki Oy
Teollisuuskatu 1b
FIN – 00510 Helsinki
Tel.: 0 03 58-9 40 41
www.okobank.com

Sampo Oyj
Unioninkatu 22
FIN – 0075 Sampo (Helsinki)
Tel.: 0 03 58-1 05 15 15
Fax: 0 03 58-1 05 16 00 51
www.sampo.fi

Aktia Säästöpankki Oyj
Mannheimerintie 14
FIN – 00101 Helsinki
Tel.: 0 03 58-10 24 75 00
Fax: 0 03 58-1 02 47 63 56
www.aktia.com

Bonitätsauskünfte
Diese können über die deutsch-finnische Handelskammer (www.dfhk.fi) angefordert werden.

Mahnverfahren
Finnische Unternehmen verfügen im Allgemeinen über eine gute Zahlungsmoral. Bei Zahlungsstörungen werden häufig Ratenzahlungspläne vereinbart. Unterstützung bei Mahnverfahren gewährt die deutsch-finnische Handelskammer (www.dfhk.fi).

Direktinvestitionen und Firmengründungen

Die Zahl der ausländischen Unternehmen in Finnland hat sich seit Anfang der 90er Jahre mehr als verdreifacht. 1992 waren nur rund 1.000 ausländische Unternehmen in Finnland tätig, und es siedelten sich jährlich 40 neue Firmen an. Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise meldeten 303 ausländische Firmen sich neu in Finnland an (Jahr: 2007). Diese Zahl fiel bis auf 128 (Jahr: 2009), stieg nach der Krise jedoch wieder auf 162 Neuetablierungen im Jahre 2010. Ein enormes Wachstum erfuhr der Wert ausländischer Direktinvestitionen seit den 1990ern durch liberale Wirtschaftsgesetze und die Einführung des Euros. Verglichen mit 4.172 Mio. Euro im Jahr 2002, stieg das Volumen an Direktinvestitionen auf 6.220 Mio. Euro im Jahr 2010.

Ausländische Direktinvestitionen nach Finnland haben im letzten Jahrzehnt stark zugenommen. Gingen im Jahre 2000 noch 24,3 Mrd. Dollar vom Ausland nach Finnland, so stieg das Investitionsaufkommen zu einem Höhepunkt im Jahre 2007 von 91,6 Mrd. Dollar und fiel durch die Finanzkrise auf 88,4 Mrd. Dollar (Jahr: 2009). Der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen entfällt auf den Informations- und Kommunikationssektor. Besonders auffällig ist dabei, dass ausländische IT-Konzerne immer mehr Filialen in Finnland gründen. Offensichtlich sollen auf diese Weise Kontakte zur erfolgeichen finnischen IT-Branche ausgebaut werden, um diese insbesondere in Segmenten, die stark auf neue Produktentwicklung ausgerichtet sind, besser bedienen zu können. Firmengründungen lassen sich in Finnland – wie auch im übrigen Skandinavien – unkompliziert durchführen. Dennoch stellt die Gründung eines Unternehmens für ausländische Unternehmer oftmals eine Herausforderung dar, da ihnen die Prozeduren und Anlaufstellen nicht geläufig sind. Abhilfe können hier Dienstleister schaffen, die Kontakte zu Anwälten, Banken etc. vermitteln. Einschlägige Regelungen sind oftmals neben finnischer bzw. schwedischer Sprache auch in Englisch zu erlangen.

Unternehmensformen und Etablierungsmöglichkeiten

Die Aktiengesellschaft (osakeyhtiö, kurz Oy) ist die einzige wirtschaftlich relevante Form der Kapitalgesellschaft in Finnland. Eine Entsprechung zur deutschen GmbH gibt es nicht. In Form der Aktiengesellschaft agieren in Finnland große börsennotierte Unternehmen ebenso wie mittelständische Kleinbetriebe. Neben der Aktiengesellschaft gibt es als weitere Formen der Gewerbetätigkeit in Finnland außerdem die offene Handelsgesellschaft (avoin yhtiö) sowie die Kommanditgesellschaft (kommandiittiyhtiö, kurz Ky). Für eine Etablierung in Finnland bieten sich die nachfolgend aufgeführten Möglichkeiten an.

Handelsvertreter
Finnland ist im europäischen Maßstab ein kleiner Markt, so dass der erste Schritt eines ausländischen Unternehmens in diesen Markt zunächst in kleinerem Stil erfolgen sollte. Dazu bietet sich die Einsetzung eines Handelsvertreters an. Die Einschaltung eines Handelsvertreters hat den Vorteil, dass das wirtschaftliche Wagnis gegenüber der Errichtung einer Niederlassung begrenzt wird. Der Handelsvertreter ist ein autonomer Unternehmer, der verantwortlich ist für die Erschließung des Marktes und das Risiko des Fehlschlagens der Vermarktungsbemühungen trägt. Er erhält Provisionen auf die vermittelten Verträge. Ein Vertreter ist die flexiblere Vertriebsform als der Vertragshändler, und der Hersteller kann einen höheren Rohertrag erzielen. Die Rechtslage ist ebenfalls wichtig: Wird ein Vertrag durch einen Handelsvertreter vermittelt, so ist der Hersteller selbst als Verkäufer Vertragspartner, und infolgedessen wird in den meisten Fällen das allgemeine UN-Kaufrecht zutreffen.

Vertragshändler
Ein Vertragshändler hat die Vorteile, wertvolle landesspezifische Spezialkenntnisse zu besitzen und ein beständiger Partner im finnischen Markt zu sein. Der Vertragshändler stellt ein festeres Standbein im Markt dar, da der Kunde durch den Vertragshändler einen inländischen Vertragspartner erhält, was bei Kaufentscheidungen oftmals eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Es ist oft eine Notwendigkeit, besonders beim Endkundengeschäft, einen Vertragshändler einzusetzen.

Anders als beim Verkauf durch einen Handelsvertreter findet bei einem Verkauf durch einen Vertragshändler finnisches Recht Anwendung, was insbesondere Bedeutung für das Gewährleistungsrecht hat, welches in Finnland besonders streng ist und auch den Hersteller eines Produktes in die Gewährleistung gegenüber Verbrauchern mit einbezieht. Dies bedeutet, dass bei der Einsetzung von Vertragshändlern besondere Sorgfalt auf die Vertragsgestaltung verwandt werden muss. Dieser Bedarf wird dadurch verstärkt, dass – anders als das Handelsvertreterrecht – das Recht des Vertragshändlers in Finnland nicht geregelt ist. Ob bestimmte Schutzrechte des Handelsvertreters auch dem Vertragshändler zustehen, ist völlig ungeklärt.

Niederlassung
Ausländische Unternehmen, die keine selbstständige finnische Tochterfirma gründen möchten, können in Finnland eine Niederlassung errichten. Die Filiale ist ein unselbstständiger Teil einer ausländischen Gesellschaft und unterliegt im Rahmen ihrer Tätigkeit in Finnland dem finnischen Recht.

Die Registrierung erfolgt beim finnischen Handelsregister (kaupparekisteri). Es muss ein Geschäftsführer bestellt werden, der die Vertretung der Filiale übernimmt. Ist der Geschäftsführer selbst nicht in Finnland wohnhaft, muss ein Bevollmächtigter mit Wohnsitz in Finnland bestellt werden. Für die Filiale ist eine eigenständige Buchführung vorzunehmen. Soll in der Filiale Personal beschäftigt werden, muss sich die ausländische Gesellschaft als Arbeitgeber in Finnland registrieren lassen. Sie hat die Lohn- und Gehaltsadministration vorzunehmen. Die Filiale muss steuerlich registriert werden.
Das Portal „Enterprise Finland“ enthält umfassende Informationen zum Gründungsverfahren einer Filiale in Finnland: http://www.enterprisefinland.fi.

Weitere Information unter anderem zu Direktinvestition und Firmengründung, Einkauf und Produktion, Verkauf und Absatz  erhalten Sie in dem Beitrag: "Skandinavien – Businesskultur und Verhandeln in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden" von Julia Kowalke, auf: "Export Plus (CD-ROM), Praxisinformationen für Export und Zollverantwortliche".

Quelle: Export Plus (CD-ROM), Bundesanzeiger Verlagsges. mbH, Köln

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