Land des Monats Oktober: Dänemark

Dänemarks Konjunkturkurve beginnt sch nach der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise wieder zu erholen. Es zeichnen sich positive Entwicklungen im privaten Sektor, gerade in der Industrie ab. Arbeitkräfte werden wieder eingestellt. Auch der dänische Export zieht wieder an. Dänemark setzt mehr denn je auf den Einsatz modernster und wenig arbeitsintensiver Technik. Die steigende Nachfrage nach solchen Maschinen und Ausrüstungen bietet ausländischen Anbietern wachsende Lieferchancen. Auch die anhaltend hohe Konsumbereitschaft sorgt für interessante Geschäftschancen.
Deutsche Unternehmen betrachten Dänemark als einen attraktiver Standort mit hoher Kaufkraft, einer hervorragenden Infrastruktur und gutem Marktzugang. Insbesondere die Region Kopenhagen bietet aufgrund ihrer zentralen strategischen Lage und guten Infrastruktur eine gute Ausgangsbasis für weitere Geschäfte in Skandinavien und dem Baltikum. Kopenhagen ist Teil der Øresund-Region, in der die dänische Regierung insbesondere die Ansiedlung von IT-, Medtech- und Biotech-Unternehmen fördert. Informationen zu Investitionsmöglichkeiten in Dänemark bekommt man von der Wirtschaftsförderungsagentur für Kopenhagen „Copenhagen Capacity“ (www.copenhagencapacity.com) oder der landesweiten Agentur „Invest in Denmark“ (www.investindk.com).
Sektoren mit positiver Entwicklung
Die wirtschaftlich bedeutendsten Branchen Dänemarks sind neben der Maschinen- und Elektronikindustrie vor allem die Pharma- und Medizintechnologieindustrie, welche zu den modernsten und erfolgreichsten der Welt zählt.
Das in der so genannten Øresundregion angesiedelte Medicon Valley gehört gegenwärtig zu den stärksten Life-Science-Clustern in Europa und ist im Ausland insbesondere durch folgende weltweit tätige Medizintechnik-Unternehmen bekannt: Coloplast, Radiometer, Novo Nordisk, Dako und Oticon. Im Life-Science-Cluster Medicon Valley existieren mittlerweile fast 500 Unternehmen. 200 Medtech-Unternehmen sind in F&E und/oder Produktionsbereichen aktiv. Dazu kommen 140 Biotech-Unternehmen und 25 Pharmaunternehmen. Der Umsatz der Medtech-Unternehmen in Medicon Valley beträgt insgesamt über 5 Mrd. Euro, und der Sektor beschäftigt mehr als 18.000 Arbeitnehmer. Der Umsatz innerhalb des Sektors ist in verschiedene Produktkategorien unterteilt, wobei medizinische Einwegprodukte, Hörhilfen sowie elektronische Geräte und Instrumente die größten Produktgruppen sind.
Größter Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor
Rund 77 % der dänischen Bevölkerung sind im Dienstleistungssektor beschäftigt. Mit den Bereichen Groß- und Einzelhandel, (See-)Transport und Spedition, Tourismus, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und IT-Dienstleistungen werden rund 76 % (2010) des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Der Tourismus spielt eine wichtige Rolle. Rund 42,5 Millionen Übernachtungen gab es 2010, was einen Anstieg von 2 % in Vergleich zum Jahre 2000 darstellt.
Zweitgrößter Wirtschaftszweig ist der Industriesektor mit der Fertigungswirtschaft, die auf die Einfuhr von Rohmaterialien und Einzelteilen angewiesen ist. Eisen, Stahl und andere metallverarbeitende Bereiche wie der Schiffs-, Maschinen- und Anlagenbau nehmen einen hohen Stellenwert ein, gefolgt von der pharmazeutischen Industrie, Chemie und Biotechnik, Elektroindustrie, Druck und Papier, Textilien, Möbel und Zement sowie der Nahrungs- und Genussmittelverarbeitung. Der Industriesektor leistet rund 23 % (2010) des BIP.
Eine kleinere Rolle im ehemaligen Agrar- und Fischereiland spielt nach wie vor die Landwirtschaft, die sich in Dänemark zu einer hoch automatisierten Branche gewandelt hat. Sie trägt 1,1 % zum BIP bei. Mehr als die Hälfte der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt, größtenteils für den Getreideanbau. Die hauptsächlich exportorientierte Fleisch- und Milchwirtschaft spielt eine bedeutende Rolle. So ist Dänemark weltweit einer der größten Produzenten von Schweinefleisch(produkten).
Unternehmensformen und Etablierungsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen
In Dänemark gibt es fast identische Gesellschaftsformen wie in Deutschland, allerdings mit einigen Abweichungen. Die weitaus häufigste Gesellschaftsform ist die ApS (anpartsselskab), die der GmbH entspricht. Der deutschen Aktiengesellschaft entspricht die A/S (aktieselskab). Der deutschen OHG entspricht die dänische I/S (interessentskab), die sich häufig bei Grundbesitzgesellschaften findet. Schließlich gibt es die K/S (kommanditselskab) mit dem deutschen Pendant der KG (Kommanditgesellschaft).
Handelsvertreter
Die dänischen Vorschriften über Handelsvertreter stimmen weitgehend mit den deutschen überein. Unter anderem hat ein in Dänemark tätiger Handelsvertreter – wie auch in Deutschland – unter Umständen einen unabdingbaren Anspruch auf Ausgleich nach Beendigung der Handelsvertretung, wenn und soweit er neue (wiederkehrende) Kunden erworben hat oder die Geschäftsverbindung mit existierenden Kunden wesentlich erweitert hat. Der Handelsvertreter ist ein selbstständiger Unternehmer und hat seine Kosten selbst aus der Provision zu decken. Die deutsche GmbH oder AG wird nicht dadurch körperschaftsteuerpflichtig, dass für sie in Dänemark ein Handelsvertreter agiert. Es ist an dieser Stelle hervorzuheben, dass die Wahl eines Handelsvertreters in Dänemark mittlerweile nur noch als eine eher weniger verbreitete Etablierungsmöglichkeit zu betrachten ist.
Vertragshändler
Ein dänischer Vertragshändler kauft und verkauft die Produkte eines Unternehmens in eigenem Namen. Ist der Handelsvertreter die flexiblere Vertriebsform und für den Hersteller der Rohertrag zumeist höher, so stellt ein Vertragshändler ein festeres Standbein im Markt dar, da der Kunde durch den Vertragshändler einen dänischen Vertragspartner erhält, was bei Kaufentscheidungen oftmals eine nicht unerhebliche Rolle spielt.
Niederlassung
Ein deutsches Unternehmen darf in Dänemark eine Filiale errichten, die beim dänischen Handelsregister (Erhvervs- og Selskabsstyrelsen, www.eogs.dk) anzumelden ist. Die Firma muss den Namen der Muttergesellschaft mit dem Zusatz filial enthalten. Es gibt hier keine Mindestanforderung an das Kapital, und die Abschlagsdividende entfällt. Es ist ein Geschäftsführer zu bestellen, der seinen Wohnsitz in Dänemark oder einem Mitgliedstaat der EU haben muss. Die Prüfung des Jahresberichts ist nicht erforderlich, dafür muss aber der Jahresbericht der Muttergesellschaft öffentlich zugänglich sein. Die Gesellschaft ist dänischem Recht und dänischer Gerichtsbarkeit unterworfen.
AG oder GmbH dänischen Rechts
Eine dänische Aktiengesellschaft (A/S) hat ein Mindestkapital von 500.000 DKK (ca. 67.000 Euro). Bei der GmbH dänischen Rechts (ApS) beträgt das Stammkapital mindestens 80.000 DKK (ca. 11.000 Euro). Für die Gründung einer A/S oder ApS ist keinerlei notarielle Beurkundung erforderlich. Alle Anmeldungen erfolgen beim dänischen Handelsregister online an das zentrale Gewerbeamt. Die Gründung einer Gesellschaft durch Ausländer ist möglich, sofern der ständige Wohnsitz in Dänemark oder einem Mitgliedsstaat der EU liegt.
Die Organe einer Aktiengesellschaft sind der Aufsichtsrat (bestyrelse), der aus mindestens drei Mitgliedern bestehen muss, und der Vorstand (direktion). Der dänische Aufsichtsrat ist dabei nicht nur Kontrollorgan, sondern gleichzeitig übergeordnetes Leitungsorgan, das auch die Gesellschaft nach außen vertritt. Bei mehr als 35 Mitarbeitern ist ein Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat zu entsenden. Der Vorstand und mindestens die Hälfte der Aufsichtsratmitglieder müssen in Dänemark oder einem EU-Staat ansässig sein. Die ApS besteht im Allgemeinen aus denselben Organen wie die A/S, wobei ein Vorhandensein beider Organe – des Vorstandes und des Aufsichtsrates – allerdings nicht unbedingt erforderlich ist. Es reicht aus, wenn entweder ein Aufsichtsrat (bestehend aus mindestens einem Mitglied) oder ein Vorstand vorhanden ist.
Gründung einer Personengesellschaft
Sofern ein deutscher Unternehmer ein gemeinsames Unternehmen mit einem dänischen Partner in Dänemark etablieren möchte, bietet sich die Gründung einer allgemeinen Personengesellschaft (interessentskab, kurz I/S) an. Diese Gesellschaft besitzt, obwohl eigenständig firmiert, keine Rechtspersönlichkeit. Die volle Haftung liegt bei ihren Gesellschaftern (natürliche Personen oder Kapitalgesellschaften). Neben der I/S ist auch die Gründung einer Personengesellschaft mit begrenzter Haftung (kommanditselskab, kurz K/S) möglich, deren Charakteristikum darin liegt, dass sie neben mindestens einem vollhaftenden Gesellschafter einen oder mehrere Gesellschafter mit begrenzter Haftung hat. Als Gesellschafter gelten neben natürlichen Personen auch Kapitalgesellschaften.
Aufenthaltsrecht – wohnen und arbeiten in Dänemark
Staatsangehörige eines EU-Mitgliedstaates bedürfen keiner Arbeitserlaubnis. Sollten Sie Ihren Wohnsitz nach Dänemark legen wollen, ist eine Aufenthaltserlaubnis beim örtlichen Staatsamt zu beantragen. Unabhängig davon ist zwingend eine Anmeldung beim Einwohnermeldeamt (folkeregisteret) notwendig. Dort erhält man eine Personennummer, die als Identitätsmerkmal, z. B. bei Steuererklärungen und der allgemeinen Versicherung, ständig benötigt wird. Jeder, der einmal ins Volksregister eingetragen ist und eine Kennzahl erhalten hat, behält diese sein Leben lang.
Steuersystem des Landes
Die Steuern in Dänemark sind zwar höher als in Deutschland, da in Dänemark ein größerer Teil der sozialen Sicherung aus Steuermitteln finanziert wird, doch ist das Steuersystem des Hochsteuerlandes Dänemark einfacher und überschaubarer als das deutsche. Zwischen Dänemark und Deutschland besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen.
Körperschaftsteuer
So hoch die Steuerbelastung der natürlichen Personen ist, so niedrig ist – immer im Verhältnis zum deutschen Niveau – die Körperschaftsteuer, die bei 25 % liegt. Nach Abzügen ist der tatsächliche Steuersatz sogar noch niedriger.
Dividendensteuer
Die Dividendensteuer liegt in Dänemark bei 25 %. Dividenden, die von dänischen Tochtergesellschaften (mindestens 10 % Besitz) an ihr ausländisches Mutterunternehmen gezahlt werden, sind steuerfrei.
Einkommensteuer
Einkommen aus einer Anstellung unterliegen einem progressiv gestalteten Einkommensteuertarif (3,67 bis 18,67 %). Dazu kommen noch Steuerabgaben an die Kommune (ca. 25 %) und Steuern für das Gesundheitswesen in Höhe von 8 %. Alles in allem wird ein Spitzensteuersatz von über 50 % erreicht.
Mehrwertsteuer
Die dänische Mehrwertsteuer (mervaerdiafgift, kurz MOMS) liegt bei 25 %. Detaillierte Informationen zur Mehrwertsteuer für Unternehmen mit Sitz außerhalb Dänemarks erhalten Sie in deutscher Sprache auf der Internetpräsenz des dänischen Steuerministeriums: www.skat.dk.
Immobilienerwerb
Der Erwerb von Gewerbeimmobilien durch ausländische Investoren ist möglich. Falls das Unternehmen noch nicht in Dänemark registriert ist, aber seinen Sitz innerhalb der EU hat, muss gegenüber dem Justizministerium eine kurze Bestätigung abgegeben werden, dass die Immobilie unternehmerisch genutzt werden soll.
Mehr über Dänemark erfahren Sie in dem Länderbericht: "Skandinavien – Businesskultur und Verhandeln in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden" von Julia Kowalke, auf: Export-Plus (CD-ROM), Bundesanzeiger Verlagsges. mbH, Köln.
Quelle: Export-Plus (CD-ROM), Bundesanzeiger Verlagsges. mbH, Köln



